Das Mysterium der Zeit


Wir alle wissen sehr genau, was wir unter Zeit zu verstehen haben, denn sie ist schließlich eines der wichtigsten Faktoren, die unserem Zusammenleben in der Gemeinschaft Struktur und Regeln geben. Ohne feste Zeitpläne wie Kalender, Uhrzeiten, Fahrpläne, Lieferfristen, Terminabsprachen usw. wäre ein geordnetes Miteinander überhaupt nicht möglich. Genaue Zeitabsprachen liefern uns die wichtigen Orientierungspunkte, wann etwas zu beginnen, bzw. zu enden hat. Der Faktor Zeit ist deshalb eine bestimmende Größe in unserem Leben. Sie ist für uns eine solche Selbstverständlichkeit, dass so gut wie nie hinterfragt wird, was genau ihr wahres Wesen ist.

Viele Menschen, darunter hochrangige Denker und zahlreiche berühmte Physiker und Wissenschaftler haben bis heute vergebens versucht, das Wesen der Zeit präzise zu definieren. Trotz aller Forschungen gelang es ihnen bisher nicht, dieses Phänomen zu enträtseln. Die Zeit bleibt als Mysterium ihrem Verständnis entzogen. Fassen wir zur weiteren Betrachtung zunächst einmal zusammen, was wir über das Phänomen Zeit wissen oder zu wissen glauben.

• Uhren und Kalender können zur Erforschung der Zeit nicht herangezogen werden, sie sind nur von Menschen geschaffene Hilfs- und Orientierungsmittel, die Schwingungen, Takte und Perioden zählen, z. B. beim Kalendarium die Umlaufbahnen der Erde um die Sonne, oder in einer Atomuhr die Schwingungen der Atome. Über das Wesen der Zeit selbst sagen diese Instrumente nichts aus.

• Nach den physikalischen Prinzipien der Thermodynamik kann die Zeit als Zunahme der Entropie, d. h. der Unordnung in einem System, betrachtet werden.

• Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hinführend.

• Aber auch die Bibel macht interessante Aussagen zum Phänomen der Zeit. So ist im neuen Testament (2. Petrus 3.8) überliefert, dass Jesus über Gottes Zeitverlauf folgendes sagte: "Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem HERRN ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag". Demnach verläuft die Zeit für den Schöpfer völlig anders als für uns Menschen. Zugleich wird an anderen Bibelstellen betont, dass Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit leben würde.

Die wohl markanteste Eigenschaft der Zeit ist der Umstand, dass es stets eine in gewissem Sinne aktuelle und ausgezeichnete Stelle zu geben scheint, die wir die Gegenwart nennen, und die sich unaufhaltsam von der Vergangenheit in Richtung Zukunft zu bewegen scheint. Dieses Phänomen wird auch als das „Fließen der Zeit“ bezeichnet. Dieses Fließen entzieht sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Betrachtung.

Die Zeit dient in der Physik in gleicher Weise zur Beschreibung des Geschehens wie der Raum. Bei genauer Betrachtung erweist es sich aber als völlig unklar, wie ein Fließen der Zeit in der Sprache der Physik oder Mathematik oder irgendeiner anderen Wissenschaft präzise beschrieben werden könnte. Das scheinbare Fließen der Zeit wird daher von den meisten Physikern und Philosophen als ein rein subjektives Phänomen oder gar als Illusion angesehen. Man nimmt an, dass es sehr eng mit dem Phänomen des Bewusstseins verknüpft ist, das ebenso wie dieses sich einer physikalischen Beschreibung oder gar Erklärung entzieht und bis heute zu den größten Rätseln der Naturwissenschaft und Philosophie zählt.

Damit dürfte bis hier klar geworden sein, dass uns die Wissenschaft zu diesem Phänomen momentan nichts Aufklärendes sagen kann. Zeit ist offensichtlich nichts anderes als nur eine reine subjektive Empfindung, eine Illusion eben. Niemand weiß, was Zeit eigentlich ist. Vielleicht gibt es sie in Wahrheit gar nicht.

Dennoch erleben wir alle unser Leben in einer linearen, zeitlichen Abfolge, beginnend bei der Geburt bis hin zum Alter und dem Tod. Wir erleben das Nacheinander beim Kommen und Gehen der Jahreszeiten, beim Wechsel von Tag und Nacht; und wir erleben die nacheinander kommenden Ereignisse unseres Schicksals, den Kindergarten, die Schulzeit, das Studium, das Berufsleben, die Heirat, die eigenen Kinder, unser allmähliches Älterwerden.

Aber betrachten wir unsere Existenz in der materiellen Welt doch einmal ein wenig genauer und werfen einen klaren Blick auf den Verlauf unseres Schicksals. Es geht kein Weg daran vorbei, wir müssen einräumen, dass alles, was wir von der Geburt an bis heute erlebt haben, nicht mehr wirklich existent ist. Bis zum heutigen Tag, genauer bis zum diesem einen Moment, wo du diese Zeilen liest, ist alles, was einmal war, nicht mehr wirklich existent, sondern lebt nur noch in dir als eine Erinnerung. Alles, was zeitlich vor diesem gegenwärtigen Augenblick liegt, ist nicht materiell vorhanden und nur fiktiv.

Ähnliches gilt bei der Betrachtung der Zukunft. Sie existiert nicht wirklich, sie ist nicht real, sie ist lediglich ein Produkt unserer Fantasie, unserer Vorstellungskraft, nichts weiter. Sie ist eine fiktive geistige Schöpfung, die sich im wesentlichen auf unsere individuellen Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten stützt.

Unser Leben bewegt sich scheinbar auf einem Zeitstrahl, der schnurgerade von der Geburt zum Tod verläuft, und es erscheint uns so, als würde der gegenwärtige Moment, also das JETZT, der einzige Punkt, in dem wir in direktem Kontakt mit der materiellen Welt stehen, sich auf diesem Zeitstrahl fort bewegen.

An diesem Punkt der Überlegungen angekommen, müssen wir logischerweise einräumen, dass der einzige Punkt, an dem wir wirklich leben und in dem wir handelnd in das Geschehen der materiellen Welt eingreifen können, allein das JETZT ist, der gegenwärtige Moment. Er ist zugleich auf dem langen Zeitstrahl unseres irdischen Daseins der einzige Zeitpunkt, wo wir Glück und Freude erfahren können. Das JETZT ist deshalb die wertvollste Zeit unseres Lebens. Denn nur zu diesem Zeitpunkt haben wir die reale Möglichkeit, in unserem Leben etwas zu verändern. Zu allen anderen Zeit ist das nicht möglich.

Worin das Phänomen der Zeit tatsächlich besteht, wird von ausschließlich wissenschaftlich orientierten Forschern aller Voraussicht nach nie gelöst werden. Denn das Mysterium lässt sich von objektiv orientierten Wissenschaftlern nicht erforschen, weil sie an den falschen Stellen suchen, die falschen Denkansätze haben und nur selten etwas von den realen Grundlagen unserer Existenz wissen.

Zunächst sollte man verstehen, dass es im gesamten Universum nichts gibt außer Gott. Das uns bekannte Universum ist das Gedankenkonstrukt einer schöpferischen Superintelligenz, die alles, was da ist, aus seiner eigenen Fantasie heraus erschaffen hat, den Urgrund allen Seins bildet und in allem Sichtbaren und Unsichtbaren ständig präsent ist. Im Thomas- Evangelium, das leider keinen Eingang in das Neue Testament gefunden hat, aber dennoch als echte Schrift gilt, hinterließ Jesus uns diese aufschlussreichen Worte. "Ich bin das Licht, das über alle ist. Ich bin das All, das All ist aus mir hervorgegangen, und das All ist zu mir gelangt. Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein, und Ihr werdet mich dort finden."

Klüger als unsere gegenwärtigen Forscher, die von der irrigen Vorstellung ausgehen, dass die Materie den Geist hervorgebracht hat, waren die Philosophen und Mystiker des Mittelalters. Sie gingen davon aus, dass die Zeit ein "Stehendes Jetzt" ist und ihr Fließen in Ursächlichkeit und Folge nur das Ergebnis einer Vorrichtung unserer Sinne ist. Meister Eckhart (1260-1328), ein mittelalterlicher Philosoph und Mystiker, der dem Dominikanerorden angehörte, vertrat die Auffassung, dass allesJETZT , darin Gott den ersten Menschen schuf, und das JETZT, darin der letzte Mensch vergehen wird, und das JETZT, darin er sprach, gleich in Gott sind und nichts anderes sind, als ein einziges JETZT ! Das heißt, alles was ist, alles was war und alles was jemals sein wird, existiert real nur zu einer einzigen Zeit, nämlich JETZT ! Jesus sagte es einmal so: "Das Ende ist dort, wo auch der Anfang ist." Was unter diesen realen Bedingungen natürlich stimmt, weil Anfang und Ende am identischen Zeitpunkt liegen!

Die Bestätigung dieser Auffassung kommt aus einer ganz anderen Richtung, nämlich von jenen Menschen, die eine außerkörperliche Erfahrung gemacht haben. Sie berichteten übereinstimmend vom Fehlen des Zeitablaufs. Dieses habe ich selbst auch erlebt. Zeit hört sofort auf zu „fließen“, sobald man mit seinem Bewusstsein nicht mehr an den Körper gebunden ist. Es gibt dann dieses Gefühl des „Verstreichens von Zeit“ nicht mehr. Alles ist außerhalb des Körpers völlig zeitlos. Zeit, bzw. das stets spürbare "Fließen der Zeit", findet nur statt, wenn wir in unserem Körper leben, wenn unser Bewusstsein mit dem Körper eine Einheit bildet.

Tatsächlich ist das "Fließen der Zeit" lediglich ein Produkt unseres Körpers. Verantwortlich dafür ist unser Nervensystem. Es besteht aus rund 100 Milliarden Nervenzellen, die untereinander über 1.000 bis 10.000 Verzweigungen pro Nervenzelle zu einem komplizierten Netzwerk verknüpft sind und der Reizwahrnehmung, der Reizverarbeitung und Reaktionssteuerung dienen.

Während wir zu Gast auf der Erde sind, geht unser Bewusstsein eine Verbindung mit unserem Körper ein. Zugleich sind wir in dieser Verbindung wie hypnotisiert darauf programmiert, Wahrnehmungen ausschließlich über unsere körperlichen Sinne zu empfangen. Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten – alle diese Empfindungen werden von den Sinnesorganen über das Nervensystem als Signale von einer Nervenzelle zur anderen bis zum Gehirn weitergeleitet. Erst wenn die Information in unserem Gehirn angekommen ist, nehmen wir sie bewusst auf. Bei diesem Vorgang kommt es zu vielfachen Verzögerungen.

Erreicht ein elektrisches Aktionspotenzial das Ende einer Nervenzelle, muss das Signal auf irgendeine Weise auf die Nachbarzelle übertragen werden. Diese Übertragung findet an den Synapsen statt, der Kontaktstelle zwischen zwei Neuronen, die aber für elektrische Signale nicht passierbar ist. An den Synapsen wird das elektrische Signal in ein chemisches umgewandelt. Der synaptische Spalt zwischen zwei Neuronen wird mithilfe chemischer Botenstoffe, den Neurotransmittern, überbrückt. Die weiterleitende Zelle schüttet aufgrund des eingehenden elektrischen Signals den Neurotransmitter aus, in der Zielzelle wird der Botenstoff aufgenommen, wodurch wieder ein Aktionspotenzial ausgelöst wird. Die Diffusion der Neurotransmitter im synaptischen Spalt benötigt aber Zeit, einige Millisekunden, zumal der ausgeschüttete Botenstoff auch wieder entfernt werden muss, um die Nervenzelle für die nächste Signalübertragung wieder „betriebsbereit“ zu machen.

Von außen eingehende Wahrnehmungen werden deshalb nur „häppchenweise“ ans Gehirn weitergeleitet, wie bei einem Zelluloidfilm. Immer nur ein Bild nach dem anderen. Aber wie bei einem echten Kinofilm, wo wir die einzelnen Bilder nicht mehr erkennen können, ist die Signalübertragung unseres Nervensystems doch noch so schnell, dass auch wir im Kopf „fließende“ Eindrücke erhalten. Das genau ist es, was wir als Zeit empfinden.

Weil Zeit nicht wirklich existiert, sondern nur eine Illusion und eine körperliche Täuschung ist, wird sicher auch verständlich, warum Jesus zur Erfüllung eines Gebetes stets dieses gesagt hat: "Worum ihr auch bittet im Gebet, glaubet dass ihr empfangen habt und es wird euch gegeben." Der Grund ist, dass sich im ewigen JETZT des Seins der Wunsch praktisch ohne Zeitverlust sofort erfüllt hat, aber eben durch die körperlich bedingten Verzögerungen erst später in der materiellen Realität in Erscheinung tritt.

  

Falls du Hilfe benötigst, kannst du dich gerne mit mir in Verbindung setzen.